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DIE RASSE

Die Lipizzaner: Dunkel geboren, weiß geworden

Die Geschichte der Lipizzaner — der kompakten Barockrasse hinter Wiens weißen Hengsten, warum die Fohlen dunkel zur Welt kommen und die kaiserlichen Gestüte, die sie geprägt haben.

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Eine Rasse, gezüchtet für den Hof der Habsburger

Der Lipizzaner gehört zu den ältesten Kulturpferderassen Europas – über vier Jahrhunderte hinweg gezielt gezüchtet, um den höchsten Ansprüchen der klassischen Hohen Schule gerecht zu werden. Die organisierte Zucht lässt sich bis ins Jahr 1580 zurückverfolgen, als Erzherzog Karl II. in Lipica – im Karstgebiet des heutigen Slowenien – ein kaiserliches Gestüt gründete und dort einheimische Karstpferde mit den von den Habsburgern geschätzten spanischen Pferden kreuzte. Später kamen italienische, arabische und weitere barocke Blutlinien hinzu. Der Name Lipizzaner leitet sich direkt von diesem Gründungsgestüt in Lipica ab. Herausgekommen ist ein Pferd, das nicht auf Schnelligkeit ausgelegt ist, sondern auf Versammlung und Balance: kompakt und muskulös, mit kräftigem, gewölbtem Hals, kraftvoller Hinterhand und einem intelligenten, willigen Wesen. Genau diese Eigenschaften sind es, die Levade, Courbette und Kapriole erst möglich machen – und genau deshalb ist es diese eine Rasse, und keine andere, die die Wiener Tradition trägt.

Warum die Fohlen dunkel geboren werden

Eine Tatsache überrascht fast jeden Besucher: Lipizzaner werden nicht weiß geboren. Die Fohlen kommen in der Regel dunkel zur Welt – als Braune, Braunfüchse oder in tiefem Mausgrau – und hellen über die Jahre allmählich auf, während das Fell ausgraut; ein Prozess, der sich Berichten zufolge zwischen dem sechsten und zehnten Lebensjahr vollendet. Ein junges Pferd kann dabei Phasen mit Apfelschimmel- und Stahlgrau-Färbung durchlaufen, bevor es das fast weiße Fell erreicht, für das die Schule berühmt ist. Technisch gesehen sind diese Pferde Grauschimmel und nicht wirklich weiß, denn die Haut darunter bleibt dunkel. Gelegentlich hellt ein Hengst gar nicht auf und bleibt bis ins Erwachsenenalter braun; und einer langen Tradition folgend hat die Schule oft ein solches dunkles Pferd unter den Grauen als Glückssymbol gehalten – ein Brauch, den die Schule häufig erwähnt, dessen Details jedoch eher Volksgut als feste Regel sind.

Die Stars hinter den Hengsten

Ein dressurreifer Hengst in Wien ist nur die sichtbare Spitze eines weitaus größeren Zuchtbetriebs. Sowohl im Großteil des zwanzigsten Jahrhunderts als auch heute stammen die Hengste, die für die Spanische Hofreitschule bestimmt sind, aus dem Bundesgestüt Piber in der Steiermark, in den grünen Hügeln Westösterreichs, wo Stuten und Fohlen leben und die klassischen Blutlinien gepflegt werden. Die Fohlen verbringen ihre ersten Jahre, so heißt es, halbwild auf den Almen von Piber, wo sie die tragfähigen Knochen und das ruhige Gemüt entwickeln, die die spätere Arbeit verlangt, bevor die vielversprechendsten Hengste ausgewählt und zur Ausbildung nach Wien geschickt werden. Das Gestüt Lipica in Slowenien – die ursprüngliche Heimat – führt sein eigenes Zuchtprogramm fort, und Lipizzaner werden heute in einer Handvoll staatlicher Gestüte im gesamten ehemaligen Habsburgerreich gezüchtet, von Ungarn über Kroatien bis nach Rumänien.

Ein lebendiges Erbe, offiziell anerkannt

Der Lipizzaner ist mehr als eine seltene Pferderasse – er ist ein gemeinsames kulturelles Erbe der Länder, die einst das Habsburgerreich bildeten. 2022 nahm die UNESCO das Wissen und die Traditionen der Lipizzanerzucht in ihre Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit auf – eine gemeinsame Nominierung mehrerer Nationen, darunter Österreich, Slowenien, Kroatien, Ungarn, Italien, Rumänien, die Slowakei sowie Bosnien und Herzegowina. Diese Auszeichnung gesellt sich zur Eintragung der klassischen Reitkunst der Spanischen Hofreitschule aus dem Jahr 2015. Zusammen würdigen sie etwas Außergewöhnliches: kein Gebäude und kein Objekt, sondern ein lebendiges, kontinuierlich weitergegebenes Handwerk der Zucht und Ausbildung, das von Generation zu Generation weitergereicht wird. Wenn Sie die Hengste in Wien erleben, sehen Sie das Ergebnis einer Kette sorgfältiger Selektion, die lückenlos bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht.

Charakter statt Größe

Lipizzaner sind nach modernen sportlichen Maßstäben keine großen Pferde – die meisten messen etwa 15 bis knapp über 16 Handbreit –, doch ihre Ausstrahlung ist überragend. Trainer und Bewunderer beschreiben sie als intelligent, feinfühlig und spät reifend; sie erreichen ihren körperlichen und geistigen Höhepunkt später als viele andere Rassen, was einem Ausbildungsweg entspricht, der in Jahren statt in Monaten bemessen wird. Diese späte Reife ist ein Grund, warum sich die Schule Zeit nimmt. Genau jene Eigenschaften, die sie zu willigen Partnern in der Bahn machen – die Bereitschaft, mit dem Reiter zu arbeiten statt gegen ihn, und ein Gedächtnis für erlernte Bewegungen – sind dieselben, die das Zuchtprogramm seit Jahrhunderten still bewahrt hat. Es ist eine Erinnerung daran, dass das Schauspiel in der Winterreitschule letztlich ebenso sehr auf dem Temperament des Pferdes beruht wie auf dem Können des Reiters.

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