DIE HALLE
Die Winterreitschule: Eine barocke Bühne
Die weiß-goldene Halle, die in den 1730er-Jahren für Kaiser Karl VI. erbaut wurde, ihre Architektur und kaiserliche Symbolik sowie die lange Geschichte der Schule unter den Habsburgern.
Check dates and availability ↗Eine Reithalle, wie sie einem Kaiser würdig ist
Die Winterreitschule – die Winterreitschule – ist die prächtige, überdachte Halle, in der jede Wiener Vorstellung stattfindet, und sie ist für sich genommen ein Meisterwerk barocker Architektur. Sie wurde von Kaiser Karl VI. in Auftrag gegeben und zwischen etwa 1729 und 1735 nach einem Entwurf von Josef Emanuel Fischer von Erlach erbaut, dem Sohn des berühmteren Johann Bernhard Fischer von Erlach, der das kaiserliche Wien so maßgeblich geprägt hat. Zuvor wurde die klassische Reitkunst in provisorischen Holzkonstruktionen ausgeübt; die neue Halle gab der Kunst ein dauerhaftes, eigens errichtetes Zuhause, das des Hofes würdig war. Das Ergebnis ist eine weitläufige, lichtdurchflutete, rechteckige Arena, umgeben von einer Kolonnade weißer Säulen, die eine Zuschauergalerie tragen, erhellt von hohen Fenstern und Kristalllüstern und durchgehend in Weiß und dezentem Gold gehalten. Nur wenige aktive Sportstätten weltweit können sich mit einem solchen Ambiente rühmen.
Die Stimmung im Raum erfassen
Der Saal ist erfüllt von kaiserlicher Bedeutung, wenn man nur weiß, wohin man schauen muss. An einem Ende hängt ein Porträt Karls VI. selbst, auf einem Lipizzaner reitend – und einem alten Brauch folgend salutieren Reiter, die die Arena betreten, vor dem Bildnis des Gründungskaisers, bevor sie beginnen: ein kleines Ritual, das jede Vorstellung still mit ihren Ursprüngen im 18. Jahrhundert verbindet. Die weißen Säulen und Galerien wurden errichtet, damit der Hof dem Reiten in Komfort und Pracht beiwohnen konnte – und so die Reitkunst zu höfischem Schauspiel erhoben wurde. Die Proportionen sind bewusst monumental: hoch genug für die Levaden und Kapriolen, weit genug für die vollständige Quadrille der Hengste, und hell genug, um jede Bewegung klar zu zeigen. Wer hier innen steht, spürt schnell: Dieser Raum wurde nicht nur geschaffen, um die Kunst zu beherbergen, sondern um sie zu erhöhen – die Pferde als lebendige Ornamente des Reiches in Szene zu setzen.
Von 1565 bis zur kaiserlichen Akademie
Die Schule selbst ist weit älter als ihre berühmte Halle. Ihre Wurzeln werden üblicherweise auf das Jahr 1565 zurückgeführt, als auf dem Gelände des heutigen Josefsplatzes erstmals eine Reitbahn unter den Habsburgern urkundlich erwähnt wurde – der Moment, der allgemein als Gründung der heute ältesten Reitakademie der Welt gilt. Der Name „Spanisch“ stammt von den spanischen Pferden, die die Habsburger importierten und schätzten und die nach dem Beginn der organisierten Zucht in Lipica im Jahr 1580 zur Grundlage der Lipizzaner-Rasse wurden. Anderthalb Jahrhunderte lang behalf sich die Akademie mit provisorischen Unterkünften; erst mit dem Bau der Winterreitschule unter Karl VI. erhielt die Tradition jene monumentale Architektur, die ihren Ambitionen entsprach, und verankerte die klassische Reitkunst als dauerhafte Institution des Wiener Hofes.
Ein Saal, der Geschichte geschrieben hat
Da sie zu den prunkvollsten Innenräumen der Hofburg zählt, war die Winterreitschule über die Jahrhunderte weit mehr als nur eine Reitarena. Sie diente als Schauplatz für Bälle, Konzerte und Staatsanlässe, und es wird mitunter angemerkt, dass unter ihren Gewölben in entscheidenden Momenten der österreichischen Geschichte bedeutende Versammlungen und Zeremonien stattfanden – eine Erinnerung daran, dass der Saal zum weiteren Leben des Kaiserpalastes gehörte und nicht allein den Pferden vorbehalten war. Durch das Ende der Monarchie, zwei Weltkriege und die Gründung der modernen Republik Österreich hindurch überdauerte das Gebäude, und die Reittradition, für die es erbaut wurde, lebte in ihm fort. Diese Schichtung – eine lebendige Bühne für eine 450 Jahre alte Kunst, eingebettet in einen Raum, der zugleich das zeremonielle Leben eines Imperiums miterlebt hat – ist ein Teil dessen, was einen Abend hier so geschichtsträchtig wirken lässt.
Den Saal für sich allein erleben
Sie müssen nicht unbedingt eine Vorstellung besuchen, um die Architektur zu würdigen. Die Führungen der Schule sind teilweise auf das Gebäude ausgerichtet und führen Besucher mit einem Experten durch die Winterreitschule und die angrenzenden Renaissance-Stallungen der Hofburg – eine ideale Option, wenn Sie sich ebenso sehr für das kaiserliche Design und die Handwerkskunst interessieren wie für die Pferde – oder wenn Sie während der Sommerpause zu Besuch sind, wenn keine Vorstellungen stattfinden. Falls Sie doch eine Vorstellung oder eine Morgenarbeit besuchen, planen Sie etwas Zeit ein: Die Sitzplatzverteilung im historischen Saal erfolgt geordnet, und es lohnt sich, einen stillen Moment zu genießen, um die weißen Säulen, die Kronleuchter und das Porträt des Gründers in sich aufzunehmen, bevor die Hengste auftreten und der Raum zum Leben erwacht. Das Fotografieren endet jedoch, sobald die Pferde die Arena betreten.