THE TRAINING
Jahrelange Vorbereitung: Die Ausbildung von Pferd und Reiter
Im Inneren des jahrelangen, geduldigen Weges, der aus einem jungen Lipizzaner und einem angehenden Bereiter ein perfekt eingespieltes Paar macht – an der Spanischen Hofreitschule in Wien.
Check dates and availability ↗Eine Tradition, die in Jahren gemessen wird, nicht in Monaten
An der Spanischen Hofreitschule ist nichts schnell. Die wenigen perfekten Minuten einer Kapriole beruhen auf Trainingswegen, die für Pferd und Reiter in Jahren gemessen werden – geleitet von einer klassischen Philosophie, die Geduld, Korrektheit und Belohnung über Tempo und Gewalt stellt. Die Schule lehrt, dass eine Lektion sanft gefordert, aus dem natürlichen Gleichgewicht des Pferdes heraus aufgebaut und erst dann bestätigt wird, wenn das Pferd sie bereitwillig anbietet – eine Methode, die vor allem durch Vorführung und lange Lehrzeit weitergegeben wird, nicht durch Abkürzungen. Dieser langsame, bedachte Ansatz ist der eigentliche Kern: Er hat die Kunst über viereinhalb Jahrhunderte intakt und wiedererkennbar erhalten. Wer das versteht, sieht eine Vorstellung mit anderen Augen – denn jedes vollendete Manöver wird zum sichtbaren Gipfel einer gewaltigen, unsichtbaren Investition an Zeit.
Die Ausbildung des Hengstes
Ein junger Hengst kommt in der Regel im Alter von etwa drei bis vier Jahren vom Gestüt nach Wien, nach einer halbwilden Aufzucht auf den Weiden, die solide Knochen und ruhige Nerven formt. Seine Ausbildung wird üblicherweise in großen Etappen beschrieben. Zuerst kommt die Grundausbildung: Das junge Pferd gewöhnt sich an das Reitergewicht, bewegt sich frei und gerade in den drei natürlichen Gangarten. Danach folgt die Campagneschule, die lange mittlere Phase, in der Versammlung, Geschmeidigkeit und die klassischen Lektionen entwickelt werden. Schließlich kommt für die Minderheit der Pferde mit der nötigen Stärke und dem passenden Temperament die Hohe Schule – die höchste Versammlung und, für eine auserwählte Gruppe, die Schulen über der Erde. Bis zur vollendeten Hohen Schule vergehen oft rund sechs Jahre, und nur einige Hengste spezialisieren sich auf die anspruchsvollen Sprünge über der Erde. Das eigene Talent des Pferdes bestimmt dabei das Tempo.
Die lange Lehrzeit des Bereiters
Die Bereiter durchlaufen eine Lehrzeit, die genauso lange dauert wie die der Pferde. Ein Kandidat beginnt typischerweise jung als Élève, also als Anwärter, und startet nicht mit den Schulen über der Erde, sondern mit den Grundlagen – oft Jahre auf der Longe ohne Bügel und Zügel, um einen unabhängigen, ausbalancierten Sitz zu entwickeln, bevor er einem ausgebildeten Pferd vertraut wird. Von dort steigt der Anwärter durch die Ränge auf – als Assistent, Bereiter und schließlich in den höheren Graden – unter der wachsamen Anleitung erfahrener Meister, durch Tun und durch Zuschauen. Es heißt oft, dass es viele Jahre, manchmal weit über ein Jahrzehnt, dauern kann, bis einem Bereiter die Ausbildung eines jungen Hengstes durch die gesamte Hohe Schule anvertraut wird und er die höchsten Positionen erreicht. Das Wissen wird von Person zu Person weitergegeben – genau deshalb hat die UNESCO es als lebendiges immaterielles Kulturerbe anerkannt.
Pferd und Reiter lernen gemeinsam
Ein Prinzip trägt das gesamte System: Ein junges Pferd wird von einem erfahrenen Reiter ausgebildet, und ein junger Reiter lernt auf einem erfahrenen, vollständig ausgebildeten Pferd. Die beiden sind selten gleichzeitig unerfahren. Diese Paarung von Erfahrung und Unerfahrenheit schützt beide – das routinierte Pferd lehrt dem jungen Reiter das Gefühl korrekter Bewegung, während der Meister den jungen Hengst geduldig Stufe für Stufe führt. Erst wenn sich ein Reiter an ausgebildeten Hengsten bewiesen hat, wird ihm nach und nach die Verantwortung für einen eigenen jungen Hengst übertragen. Dieses bewusst konservative System ist ein wesentlicher Grund für die Beständigkeit der Tradition: Der Standard darf nie abweichen, denn Expertise ist immer im Raum – auf der einen oder der anderen Seite der Partnerschaft.
Warum das beim Zuschauen zählt
Wer den Ausbildungsweg kennt, liest eine Vorstellung anders. Die jungen Hengste, die viele Programme eröffnen, zeigen im Grunde ein frühes Kapitel derselben Geschichte, deren letztes Kapitel die Kapriole im Höhepunkt ist. Die scheinbare Mühelosigkeit ist die eigentliche Leistung – ein Pferd, das entspannt wirkt, während es auf tief gebeugten Hinterbeinen balanciert, ein Reiter, der fast still erscheint und doch ständig feinste Korrekturen vornimmt. Das Fehlen von Dramatik in den Hilfen ist das Zeichen jahrelanger Arbeit. Deshalb bittet die Schule darum, die Kamera wegzulegen und einfach zuzuschauen: Die Kunst liegt im feinen Detail und in der stillen Kommunikation zwischen Pferd und Reiter – Dinge, die ein Bildschirm tendenziell einebnet. Es live zu sehen, im Wissen um die Jahre hinter jeder Bewegung, macht das Erlebnis so eindringlich.